Kategorie: BDA Galerie

Nach der Mauer [1] – Wohnen Gedenken

Gedenkstätte©mola_winkelmüller_architekten

7. Juli bis 17. September 2009

Mit der Ausstellung ‚Nach der Mauer. Wohnen Gedenken’ eröffnete die BDA Galerie im Juli 2010 ihre Reihe zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Anhand der gezeigten Projekte dokumentierte sie die Entwicklung des ehemaligen Grenzstreifens in der Bernauer Straße in Berlin-Mitte. Anlässlich der Vernissage sprach der Architekturjournalist Hubertus Adam, dessen Rede wir in Auszügen wiedergeben.

„Es gibt in Berlin eine Reihe von Orten, die sich in das kollektive Gedächtnis als Zeichen der Teilung eingebrannt haben: das Brandenburger Ort als wohl prominentestes Symbol; der Checkpoint Charlie, offizieller Übergang für die Alliierten; die Glienicker Brücke als Ort des Austauschs von Agenten; der „Tränenpalast“ als individueller Ort des Abschieds. Und dann ist da noch die Bernauer Straße. Auch hier sind es Bilder, die sich unweigerlich bei der Nennung des Straßennamens einstellen: Bilder der vermauerten Häuser auf der Südseite der Straße, Bilder der Fluchttunnel, Bilder des Bereitschaftspolizisten Conrad Schumann, der den Stacheldrahtverbau überspringt und dabei seine Maschinenpistole wegwirft.

Westen und Osten waren an der Bernauer Strasse so nahe beieinander wie sonst kaum irgendwo in der geteilten Stadt, die Grenze verlief seit dem 13. August 1961 nicht einmal zwischen den beiden Straßenseiten, sondern zwischen Haus und Bürgersteig. Der Begriff der Grenzlinie war hier unmittelbar greifbar. Analog zu anderen Orten in Berlin wurde die Linie zur Fläche aus Vorderland- und Hinterlandmauer, Todesstreifen, Postenwegen etc. Das bedeutete, die gründerzeitliche Bebauungsstruktur im Grenzbereich niederzulegen. Die Versöhnungskirche ereilte es 1985.

Das freie Schussfeld aus Ostberliner Seite korrespondierte indes mit der Brachlandschaft auf der Nordseite, die politisch im Westen lag. Als fehle das stützende Gegengewicht, wurden auch die Häuser im Wedding sukzessive eliminiert. Das Stichwort lautete Flächensanierung und bedeutete die Zerstörung des Stadtorganismus. Eine Wende brachte der von Josef Paul Kleihues 1971-77 realisierte Wohnblock an der Vinetastrasse. Der Rückgriff auf eine traditionelle Blockrandbebauung präludierte gleichsam die Idee der IBA 1984/87.

Die Bernauer Strasse ist vorwiegend ein Erinnerungsort für die Teilung Berlins und Deutschlands. Aber sie ist auch ein Beleg für den hypertrophen Rationalismus, die Stadt zu teilen und die Stadt zu zerstören.

Brachen ringsum, so stellte sich die Situation nach 1989 dar: Brachen, getrennt durch eine Mauerlinie, die zur Fläche geworden war. Brachen sind für mich Signatur und Entwicklungspotenzial Berlins zugleich. Aber tappe ich angesichts dieser Brache nicht in eine romantische Falle? Denn wer aus konkreten Gedenkorten abstrakte Gedenklandschaften macht, läuft Gefahr, konkreter Benennung auszuweichen.

Und doch ist mir das, was um die Bernauer Strasse herum in den letzten Jahren geschehen ist, grundsätzlich sympathisch. Warum?

Weil die Debatte um den Umgang kontrovers ist, weil aus der Debatte nicht automatisch Setzung resultiert und die Deutungshoheit nicht klar ist.

Weil es keine zentrale Gedenkstätte gibt, sondern eine Vielzahl von Orten – von memorialen Orten, aber auch alltäglichen. Gedenken ist individuell.

Weil ich hoffe, dass es hier – anders als sonst mitunter in Berlin – gelingt, Spuren zu erhalten. Michel Foucault äußerte einmal, dass es darum gehe, Monumente in Dokumente zu verwandeln und damit sprachfähig zu machen. Dass eine Stadt geteilt werden kann, ist einer nachwachsenden Generation kaum noch zu vermitteln. Es bedarf der Spuren.

„Wohnen Gedenken“ heißt die Ausstellung. Die Begriffe stehen nebeneinander, weder durch ein Satzzeichen noch durch ein „und“ verbunden. Ohne Gedenken ist Wohnen hier nicht zu haben, und doch bedarf es auch der Normalität. Die Ausstellung dokumentiert den Kampf und den Ort – und die Herausforderung, wie er sich beleben lässt. Das Nebeneinander von musealen und alltäglichen Orten, welches die Reihe der Projekte widerspiegelt, bildet das Potenzial dieses Ortes, der wie ein Schnitt durch Sediment die Schichten und Geschichten Berlins offen legt.“

Hubertus Adam

Nach der Mauer [2] – Projekte für eine neue Stadt

Bild©Annette Kisling: GSW-Hochhaus von Sauerbruch Hutton

30. November 2009 bis 28. Januar 2010

Am Montag, den 30. November 2009 um 19 Uhr wurde in der Galerie des BDA Landesverbandes Berlin die Ausstellung „Nach der Mauer. Projekte für eine neue Stadt “ eröffnet. Zur Einführung sprach Manfred Kühne, Leiter der Abteilung Städtebau und Projekte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die zweite Ausstellung setzte die Reihe des BDA Berlin zum 20. Jahrestag des Mauerfalls fort und stellte 14 Projekte vor, die sich aus den Bedingungen und Möglichkeiten der Wiedervereinigung und des Hauptstadtbeschlusses entwickelt haben. Trotz ihrer unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Größenordnungen zeugen sie gemeinsam von einem veränderten Selbstverständnis der Architekten und der beteiligten privaten und institutionellen Akteure. Die Architektur wird zum Repräsentations- und Ausdrucksmittel vor dem Hintergrund der Stadt, deren Orte und Zusammenhänge neu bewertet werden. Die ausgewählten Projekte mit ihren optimistischen wie kritikwürdigen Aspekten dokumentieren beispielhaft diesen Prozess, den sie selbst manifestieren und vorantreiben.

Gezeigte Projekte:

  • GSW-Hochhaus / Sauerbruch Hutton
  • Wettbewerbsentwurf Alexanderplatz / Kollhoff ½Timmermann
  • BND-Zentrale / Kleihues + Kleihues
  • Schweizer Botschaft / Diener & Diener
  • Wettbewerbsentwurf zum Humboldtforum / Kuehn Malvezzi
  • Holocaust-Mahnmal / Eisenman Architects
  • White Cube / Fraktale
  • Atelier Katharina Grosse / Augustin und Frank
  • Parkside Apartments / David Chipperfield Architects
  • Wohnblock Neue Grünstraße / Heide½von Beckerath½Alberts
  • Bürohaus am Hackeschen Markt / Grüntuch Ernst
  • Stadthaus Friedrichswerder / Abcarius + Burns
  • Partizipatorische Interventionen / Après-Nous

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Bild©Ludger Paffrath: Stadthaus Friedrichswerder von Abcarius + Burns

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Perspektive: Entwurf Delugan Meissl

16. bis 22. November 2009

Ergebnisse eines Wettbewerbs nach RPW für ein Einfamilienhaus in Berlin

Ausstellung der Ergebnisse eines Wettbewerbs für ein Einfamilienhaus in Berlin. Gezeigt wurden Entwürfe von DELUGAN MEISSL, Wien – AUGUSTIN UND FRANK, Berlin – STAAB ARCHITEKEN, Berlin – AGPS ARCHITECTURE, Zürich/LA – GRAFT, Berlin – DOLENC SCHEIWILLER, Zürich.

Öffentlichkeit Bauen [3] – Orte

Bild©Marcus Bredt: Kindertagesstätte Griechische Allee von Behles & Jochimsen Architekten

27. Januar bis 12. März 2009

Am Montag, den 26. Januar 2009 um 19 Uhr wurde in der Galerie des BDA Landesverbandes Berlin die Ausstellung „Öffentlichkeit Bauen. Orte“ eröffnet. Der dritte und letzte Teil der Ausstellungsserie „Öffentlichkeit Bauen“ griff nach den öffentlichen Zeichen und den öffentlichen Innenräumen nun ein weiteres zentrales Thema in der aktuellen europäischen Architekturdiskussion auf: die Frage nach dem Ort und seinem Verhältnis zur Öffentlichkeit.

Gezeigt wurden die Kindertagesstätte Griechische Allee von Behles & Jochimsen Architekten, ein Hörsaal und Laborgebäude in Zittau von Tilmann Bock und Norbert Sachs Architekten, das Gemeindezentrum Großzieten von Klaus Block, die Neue Stadtmitte Stuttgart-Vaihingen von Leon Wohlhage Wernik Architekten sowie das Museum Luther-Geburtshaus in Eisleben von Springer Architekten.

Die fünf Projekte stehen für die Vielfalt öffentlicher Orte. Es handelt sich um ein Gemeindezentrum, eine Schule, eine Hochschule, ein Einkaufscenter und ein Museum. Was die Projekte bei allen Unterschieden in Form und Material jedoch miteinander verbindet, ist die besondere Qualität des öffentlichen Ortes, der durch sie entsteht.

Wie schon in den beiden vorhergehenden Ausstellungen sind es nicht alleine Bauten für öffentliche Bauherren. Vielmehr bestätigte auch diese Ausstellung erneut, dass der Begriff des „Öffentlichen“ im Wandel begriffen ist. Der Begriff des öffentlichen Raumes weitet sich zunehmend auf private Projekte aus. Gleichwohl droht gerade dadurch auch eine Einschränkung, bieten viele vermeintlich „öffentliche“ Orte doch nur noch Raum für eine ausgewählte Teilöffentlichkeit. Insofern versteht sich auch dieser abschließende Teil der Ausstellungsreihe als eine Anregung, um über die Begriff „Öffentlichkeit“ und „öffentliches bauen“ weiter nachzudenken – und darüber, welche Ansprüche wir an öffentliche Orte in unserer gebauten Umwelt künftig haben.

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Bild©Ulrich Schwarz: Gemeindezentrum Großzieten von Klaus Block

Öffentlichkeit Bauen [2] – Räume

Bild©Stefan Wolf Lucks: „Berghain“ von Karhard Architekten

28. Oktober bis 11. Dezember 2008

Am Montag, den 27. Oktober 2008 um 19 Uhr wurde in der Galerie des BDA Landesverbandes Berlin die Ausstellung „Öffentlichkeit Bauen. Räume“ eröffnet. Im Rahmen der thematischen Reihe zum architektonischen Umgang mit Öffentlichkeit geht es im zweiten Teil um die architektonische Entwicklung öffentlicher Innenräume. Thomas Kaup, Mitglied des kuratorischen Teams, führte in das Thema ein.

Gezeigt wurden das „Berghain“ von Karhard Architekten – ein Club in einem ehemaligen Umspannwerk in der Nähe des Ostbahnhofs –, der Erweiterungsbau der Stadtverwaltung Weimar von Reimar Herbst sowie der Wettbewerbsentwurf für die Neugestaltung des Zuschauerraums der Berliner Staatsoper von Klaus Roth.

Die Gestaltung der Beiträge, die Auswahl der Bilder sowie die Erläuterungen bleiben auch diesmal in den Händen der Architekten. Damit spiegelt die Ausstellung die Breite möglicher Haltungen im Umgang mit für die Öffentlichkeit bestimmten Räumen wider und erlaubt auch Einblicke in die unterschiedlichen Ansprüche, die mit diesen Räumen an die Nutzer gestellt werden.

Anders als das Äußere eines Gebäudes, das bei jedem zufälligen Passanten als Zeichen wirken kann, bleiben Innenräume naturgemäß einer Teilöffentlichkeit vorbehalten. Zudem berührt die Spezialisierung eines Gebäudes auch dessen Eigenschaft als öffentliches Gebäude. Die gezeigten Projekte stehen für sehr unterschiedliche Ansätze, die Gesellschaft, die sich in einem Raum darstellt, genau und zeitgebunden oder – im Gegenteil – offen und allgemeingültig räumlich zu inszenieren. Dabei wird die Frage nach der architektonischen Angemessenheit der Innenräume ebenso untersucht wie die Rolle der zeitlichen Gebundenheit der architektonischen Form.

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Bild©Klaus Roth: Zuschauerraums der Berliner Staatsoper von Klaus Roth