Ein Kommentar

  1. Antonello Scopacasa

    Synthetischer Inhalt des Beitrags
    Neunutzung des Platzes zwischen dem Kanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus mit öffentlichen Einrichtungen in Form einer Säulenlandschaft, die den Ausblick freilässt, die städtebauliche Kraft des „politischen Bandes“ betont, die Bewohner und die Besucher der Stadt einlädt.
    Das neue Ensemble soll eine ideale Kontinuität zwischen der Regierung, dem Volk und der Verwaltung repräsentieren.
    Nördlich des Platzes Errichtung eines öffentlichen Gebäudes für Erholung, Feste, Ausstellungen. Entlang der südlichen Spreeseite Neugestaltung einer Promenade mit leichter Bebauung. Diese sollte die Wahrnehmung des großzugigen Raumes zwischen dem geraden „ Band des Bundes“ und der gekurvten Spree-Bebauung ergänzen.
    Südlich des Platzes der Republik entlang der Entlastungsstraße Realisierung eines neuen Tunnelzuganges zur Vermeidung des Durchgangsverkehrs . Der ganzer Verkehrsverlauf sollte neu gelegt und besser mit den anderen freiräumlichen Einrichtungen integriert werden.

    Anleitung
    Als Begleitung zu meinem kleinen Beitrag – weder eine endgültige Lösung noch ein Eingriff in die architektonische-städtebauliche Form – möchte ich hiermit einige Eigenarten des Ortes herausstellen.
    Die absolute Präsenz des „ Bandes des Bundes“ ist ganz klar hier die große und wirksame Figur. Sie ergibt sich erstens aus seinen symbolischen Inhalten: der metaphorischen Verbindung zwischen Ost- und Westberlin; der Durchquerung und Negierung der einst von Hitler und Speer geplanten Nord-Süd-Achse; der Flankierung des deutschen Parlaments, als der der Komplex Kanzleramt – Paul-Löbe-Haus als „Arm der Demokratie“ benutzt werden sollte.
    Diese symbolischer Vielfalt wurde städtebaulich in eine klare, eindeutige Form umgesetzt und ist heute einfach von allen lesbar: das „ Band des Bundes“ verbindet Osten und Westen auf der physischen Ebene und trennt gleichzeitig den Norden und Süden der Stadt; in einer räumlichen Betrachtung spielt es eine sehr klare Rolle gegenüber dem natürlichen gebogenen Spree-Verlauf und lässt eine weitere symbolische Deutung einfach zu, wobei das lange Band die Entscheidungsebene der Politik und des Gesetzgebers repräsentiert und der umliegende organische Bereich das Volk und die Menschlichkeit. Dieser Kontrast bildet eine sehr schöne räumliche Ausgangssituation, die besser entwickelt und gegliedert werden sollte.
    Das symbolische städtebauliche Ergebnis ist ein Ort, der durch diese mächtige eindeutige Präsenz geprägt ist. Das gilt für die Wirkung auf die alltägliche Perzeption sowie für die Wahrnehmung, die den Entwurf begründet. Dies ist das gebaute Ergebnis auch einer außergewöhnlichen Erfahrung der Stadt und der Nation und eine eindrucksvolle Spur des Vereinigungsprozesses. Offensichtlich spielen hier ideale Werte eine zentrale Rolle: diese Dominanz zu gliedern und zu aktualisieren wäre eine Aufgabe.

    Allgemeine Hinweise
    Eine künftige Vision sollte diese Spielebene nicht einfach ersetzen oder negieren. Die Tonart des Ortes sollte dementsprechend politisch-repräsentativ bzw. symbolisch bleiben. Gleichzeitig sollte das tägliche Leben hier einfließen mit seinen Bewegung, Vielfältigkeit, freier Entfaltung und das großzugige durchgängige Motiv des „ Bandes des Bundes “ in eine vielfältig modulierte Sinfonie wenden.
    Ein weiterer Hinweis für die Weiterentwicklung des Ortes wäre, die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit positiv einzuschätzen, da der Sinn sich selbst aus einer Beziehung ergibt, d.h. von der Annahme von dem, was es gibt und bleibt, und der Vision von dem, was sein sollte. Dementsprechend würde der Vorzug nicht großen Interventionen gegeben werden noch zweifelhaften Wiederaufbauten einer vergangenen mythisierten Bausubstanz. Die Hauptrolle gebührt hier dem Regierung-Verwaltung-Parlament Komplex. Andererseits sollte man sich auf den kleineren oder mittleren architektonischen Maßstab konzentrieren; auf dieser Ebene liegt eigentlich der einzige freie Spielplatz für Interventionen, aber auch der städtebauliche Mangel.

    Verfeinerung des Blickes
    Die Untersuchung sollte einige Eigenarten dementsprechend weiterentwickeln sowie passende neue städtebauliche Ansätze einbringen:
    – Das „politische Band“ wirkt städtebaulich als Damm zwischen dem Süden und dem Norden von Berlin. Zwei von seinen Unterbrechungen werden von der Spree durchquert, die übrige in seinem Zentrum ist für alle zugänglich und gilt als räumlicher Hals eine riesige städtebauliche Sanduhr. Die Energie, die aus diesem Nabel herauskommen sollte, ist noch nicht bekannt und tatsächlich latent. Sie zu gewinnen und architektonisch zu wenden ist eine weitere Aufgabe.
    – Der Blick sollte sich auf die großzugige räumliche Lage zwischen dem Fluss und dem Regierungsviertel konzentrieren und die räumlich-symbolische Beziehung zwischen der gekurvten Spree-Linie und der geraden Linie des „politischen Bandes“ freiräumlich entwickeln. Große extensive Gebäuden würden die Großzügigkeit des Platzes stören. Besser könnte die funktionelle Einsetzung von öffentlichen Einrichtungen in kleinerem und transparentem Maßstab wirken und die Wahrnehmung des Ortes ermöglichen und betonen. Die südliche Bogenkante der Spree würde sich für dieses Entwicklungsziel als noch frei anbieten.
    – Die Planung sollte auch mehrere Schwächen des riesigen Areals zu beheben versuchen, unter anderem: die funktionelle Einrichtung der verschiedenen Gebiete multiplizieren; den außergewöhnlichen Straßenverkauf normalisieren und in die anderen freiräumlichen Einrichtungen integrieren; die zwei leer stehenden Promenaden, die entlang dem Band laufen, neu denken.

    Dementsprechend wäre es meiner Meinung nach heutzutage empfehlenswert, eine Weiterentwicklung des gesamten Komplexes im Rahmen einer besseren städtebaulichen Integration durchzuführen, die ein Gesamtbild für die laufenden sowie für künftige Zwecke der Regierung und der Stadt ermöglicht.

    Antonello Scopacasa
    15. Dezember 2014

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